Aktuelles

Pressemitteilung 23.10.2020 Bahnsicherheit

Betriebssicherheit im Bahnverkehr erhöhen – auch an der Mosel!

Ein schwerer Unfall im Schienengüterverkehr ereignete sich am 30. August 2020 in Niederlahnstein am Rhein. Dort sind bei einer Zugentgleisung mehr als 100.000 Liter Diesel ins Erdreich gelangt.

Durch Abtragen von Boden an der Unfallstelle konnte ein Teil des Gefahrstoffs entfernt werden. Mehrere zehntausend Liter Diesel verblieben jedoch im Erdreich und werden aller Voraussicht nach auf Generationen eine bleibende Umweltbelastung darstellen.

Auch im Moseltal ist die Durchfahrt von Güterzügen Alltag. Ungefähr 20% der täglich bis zu 70 Güterzugdurchfahrten sind Gefahrguttransporte. Regelmäßig werden explosive, giftige, boden- und wassergefährdende, hochentzündliche oder radioaktive Stoffe durch unsere Region transportiert.

Dabei gelten keine besonderen Tempolimits, auch nicht bei Ortsdurchfahrten. Der technische Zustand der Züge ist augenscheinlich oftmals sehr schlecht. Weder modernes Zugmaterial noch eine engmaschige technische Überwachung der Fahrzeuge sind im Güterzugbereich vorgeschrieben.

Das Moseltal ist eng und kurvenreich. Die Bahntrasse aus dem 19, Jahrhundert führt mitten durch Dörfer und Wasserschutzgebiete. Das gesamte Moseltal zwischen Koblenz und Schweich ist Landschaftsschutzgebiet sowie eine der schönsten und touristisch bedeutsamsten Regionen Deutschlands.

Die Sicherheit unserer Region vor einem katastrophalen Bahnunglück insbesondere mit Gefahrstoffen muss erhöht werden. Dafür erheben wir folgende Forderungen an die Politik:

A   Sofort umzusetzende Maßnahmen

  1. Höchstgeschwindigkeit 70km/h für Güterzüge bei Ortsdurchfahrten und moselseitig gegenüberliegenden Ortschaften. Höchstgeschwindigkeit bei der Ortsdurchfahrt mit Gefahrgut: 50 km/h.
  2. Höchstgeschwindigkeit 70 km/h für alle Gefahrguttransporte auf der Gesamtstrecke.
  3. Beförderung besonders gefährdender Stoffe nur in Abstimmung mit den Einsatzkräften des Katastrophenschutzes.

B    Mittelfristige Maßnahmen

  1. Die Einrichtung einer zentralen Gefahrgutmeldestelle für die Moselstrecke.
  2. Die  Errichtung von automatischen Messstationen zur Erfassung des Güterzugverkehrs.
  3. Technische Verbesserung der Zugsicherheit: Zugführer müssen über Brände, Bremsausfälle, schadhafte Fahrzeugkomponenten während der Fahrt Informationen erhalten. Dafür müssen die Züge mit entsprechender Technik ausgerüstet werden.
  4. Errichtung von Nothaltezonen außerhalb bewohnter Bereiche mit ungehinderter Zugangsmöglichkeit für Rettungskräfte.

C  Langfristige Maßnahmen

  1. Austausch des rollenden Materials gegen Lokomotiven und Güterwaggons, die dem Stand technischer  Möglichkeiten und Entwicklung entsprechen.
  2. Beendigung des internationalen Frachttransits durch das Moseltal.
  3. Erneuerung des überalterten Gleiskörpers und Unterbaus.

              Überprüfung und Offenlegung der Baugenehmigung von Bahnbauwerken.*

  1. Technische Aufwertung der Strecke nach Neubaustandard.

Max Op den Camp,

Erster Vorsitzender BIGBIM e.V.

*Anmerkung zu C3:  Der Gleisunterbau der Strecke 3010 Koblenz-Perl stammt noch weitgehend aus der Bauzeit ca. 1870. Es besteht die ständige Gefahr von Gleisverschiebungen und Absenkungen durch Unterspülungen sowie die Gefahr von Hangrutschungen. Entsprechend schätzen wir die Gefahr einer Zugentgleisung mit eventuell katastrophalen Folgen als überdurchschnittlich hoch ein.

Gespräch in Mainz

Der Sprecher des Aktionsbündnisses zur Bahnlärmreduzierung im unteren Mittelrheintal von Koblenz bis Bonn und im Moseltal Rolf Papen (BI Weißenturm) versuchte durch Vermittlung von MdL Marc Ruland einen erneuten Gesprächstermin beim Wirtschaftsminister des Landes Rheinland Dr. Volker Wissing zu erreichen. Aufgrund der Termindichte war ein kurzfristiges Terminangebot von Seiten des Ministers nicht möglich.

MdL M. Ruland war es dankenswerter Weise gelungen einen Gesprächstermin mit Andy Becht, Staatsekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, für den 18.August im Mainzer Ministerium zu terminieren.

Neben Vertretern des Aktionsbündnisses aus Weißenturm, Bad Hönningen und Leutesdorf  nahm auch in Vertretung  des 1.Vorsitzenden der BI  Moselaner gegen Bahnlärm -BIGBIM-  der 2.Vorsitzende  Peter Querbach an diesem Treffen teil.

In einem Kurzreferat betonte  P. Querbach die negativen Folgen des durch laute Güterzüge verursachten Lärms auf den Tourismus und stützte sich dabei u.a. auf die ersten Rückläufer der kürzlich gestarteten Tourismusumfrage.

Durch die geplante  erhöhte Güterzugfrequenz von bis zu 200 Güterzügen pro Tag wird die Bevölkerung  und deren Gäste besonders auch durch den Tunneleffekt und die Schallsituation des engen Moseltals besonders belästigt und deren Gesundheit geschädigt. Auch die Ortschaften der gegenüberliegenden Moselseite seien betroffen.

  1. Querbach formulierte kurzfristig umsetzbare  Forderungen von BIGBIM

-Geschwindigkeitsreduzierung bei Ortsdurchfahrten, besonders für Gefahrguttransporte

-Installation von Messstellen im Moseltal mit dem Ziel wagenscharfer Messungen zwecks Erfassung  des defekten Materials.

-Ankündigung der Gefahrguttransporte bei den zuständigen Verwaltungen und Katastrophenschutz

Staatssekretär Becht nahm die Situationsschilderung und die Forderungen dankend zur  Kenntnis.

Die Forderung nach einer Geschwindigkeitsreduzierung wird im Hinblick auf ihre Durchführbarkeit in der Fachabteilung diskutiert werde.

Zum Abschluss versprach der Staatssekretär sich in naher Zukunft selber ein Bild und Gehör von der augenblicklichen Situation an der Mosel zu verschaffen.

 

Tourismus und Bahnlärm: Umfrage gestartet

27.07.2020

Wir wollen herausfinden, in wieweit die Betreiber touristischer Stätten im Moseltal Beeinträchtigungen ihres Betriebs fürchten, wenn der Bahnlärm weiter zunimmt.

Was ist Ihre Meinung – muss der Lärm- und Erschütterungsschutz an der Mosel verbessert werden?

Achtung: Teilnehmen an der Umfrage dürfen ausschließlich die Betreiber touristischer Betriebe im Moseltal.

Hier geht es zur Umfrage:

https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSet8XRlOB-mjldZ3Et-qiNdbjorLrd36yeVuw0XcmUXLyL07Q/viewform

12. November 2019: Überreichung unseres 10 Punkte-Programms zur Lärmreduzierung an Rhein und Mosel gemeinsam mit dem Arbeitskreis Bahnlärm Rhein-Mosel an Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann

11.06.2019 PRESSEMITTEILUNG

Kein Bestandsschutz wegen Schwarzbau? Bahn auch an der Mosel unter Druck

Nicht nur am Rhein, sondern auch an der Mosel werden Anwohner und Touristen durch steigenden Güterzuglärm belastet. Die Strecke aus den 1870er Jahren wird aktuell für die Aufnahme von internationalen Güterzugdurchfahrten ertüchtigt.

Bereits seit Jahren formiert sich unter den Anliegern und Kommunen Widerstand dagegen, dass trotz des Ausbaus der Strecke und der steigenden Zugzahlen keine Investitionen in Lärm- und Erschütterungsschutz getätigt werden. Dies sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, denn diese Strecke genieße historischen „Bestandschutz“ – der Betrieb müsse daher keinerlei Grenzwerte einhalten, so die Argumentation der Bahn bislang.

Die BIGBIM (Bürgerinitiative gegen Bahnlärm im Moseltal e.V.), in der neben Anwohnern zwischen Koblenz und Trier auch mehrere Kommunen vertreten sind, stellte im Februar 2019 eine Anfrage nach dem Vorliegen von Genehmigungsunterlagen zum Betrieb der Bahnstrecke 3010 Koblenz-Perl.

Die in diesen Tagen erfolgte Antwort der DB Netz AG zeigt aus Sicht der BIGBIM: Auch an der Moselstrecke ist es anscheinend unterblieben, beim Bau der Strecke die damals geltenden Vorschriften zum Beispiel zur Planfeststellung einzuhalten.

„Wir müssen die Sachlage jetzt auch an der Mosel von Experten analysieren und bewerten lassen“ so Max Op den Camp von der Bürgerinitiative. „Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass die Moselstrecke unter Missachtung damaliger Rechtsnormen errichtet und betrieben worden ist, dann genießt sie in der derzeitigen Form auch keinen Bestandsschutz. Das würde eine Riesenchance für die Region bedeuten, durch bauliche Veränderungen und Tempolimits eine dringend nötige Verbesserung der Lärm- und Sicherheitslage im Moseltal zu erreichen. Wir blicken aktuell mit großer Spannung auf die Entwicklungen am Rhein.“

18.04.2019. Bahnlärmresolution der Moselkommunen in Mainz überreicht siehe Link: 

Bahnlärmresolution Moselkommunen

https://swrmediathek.de/player.htm?show=20e8a7d0-4f35-11e9-8feb-005056a10824

25.03.2019 “Aktionsbündnis zur Bahnlärmreduzierung im Unteren Mittelrheintal und im Moseltal” in Weißenthurm gegründet

Am 25.03.2019 ist von zahlreichen Kommunen, Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie uns Bürgerinitiativen die Gründung des oben genannten gemeinsamen Bündnisses beschlossen worden. Die Veranstaltung fand auf Initiative von uns Bahnlärm – BIs an Rhein und Mosel (“Arbeitskreis Bahnlärm Rhein-Mosel”) statt. Eingeladen hatte die Verbandsgemeinde Weißenthurm. Gekommen sind mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete (darunter Tabea Rößner, B90Grüne, Josef Oster CDU, Nicole Westig FDP, Marc Ruland SPD u.a.), zahlreiche kommunale Vertreter auch von der Mosel sowie natürlich die Bahnlärminitiativen.

Das ist ein Meilenstein. Denn bisher verfügte nur der Welterbeteil des Rheines Koblenz-Bingen über ein überörtliches Gremium aus Bürgerinitiativen, Bundespolitikern, Kommunalpolitikern sowie der Bahn (“Beirat Leiseres Mittelrheintal”). Wenn unser Aktionsbündnis nach den Sommerferien erstmals tagen wird, ist Lärmschutz an der Mosel damit auch auf oberster Ebene Gegenstand von Diskussionen.Verbesserungen im Lärmschutz werden damit über kurz oder lang auch unserem schönen Tal zuteil werden. 

Die Ziele des neuen Bündnisses, so wie sie heute beschlossen wurden:

– Gleichbehandlung in Sachen Bahnlärmreduzierung im gesamtem Mittelrhein- und Moseltal

– die Schaffung rascher und wirksamer Maßnahmen zur Bahnlärmreduzierung unter vergleichbaren Bedingungen

– die Gewährleistung eines sicheren Schienenverkehrs insbesondere bei Ortsdurchfahrten mit Gefahrgütern

– die zeitnahe Ertüchtigung von Alternativtrassen im In-und Ausland zur Entlastung des gesamten Mittelrhein- und Moseltals

– den sofortigen Planungsbeginn zum Neubau einer Gütertrasse zur Entlastung des gesamten Mittelrhein- und Moseltals

11.02.2019 Pressemitteilung

07.02.2019 Unglück in Unkel/Rhein zeigt gravierende Sicherheitsmängel im Güterverkehr auf – unsere Fragen:

– Warum weiß ein Zugführer nicht, dass an seinem Zug Waggons brennen? Erst ein entgegenkommender Zugführer informierte ihn per Funk.

– Warum zieht der Zugführer den brennenden Zug mitten in bewohntes Gebiet, um ihn zu löschen?

– Warum weiß der Zugführer nicht, was für Güter er fährt?

– Warum weiß die Feuerwehr so lange nicht, was in den brennenden Waggons ist?

– Warum dauert es bis eine ganze Stunde nach Eintreffen der Feuerwehren, bis endlich die Oberleitung abgeschaltet wird und mit der Brandbekämpfung begonnen werden kann?

Was bisher noch nicht bekannt gemacht wurde:

– Was war das Baujahr des brennenden Waggons?

– Wann wurde die letzte technische Überprüfung durchgeführt, und von wem?

Hintergrund dazu:

Schienenfahrzeuge müssen nur alle sechs Jahre zur technischen Überprüfung (LKW jedes Jahr, bei Gefahrguttransport alle sechs Monate).

Schienenfahrzeuge werden von den Betreiberfirmen selbst überprüft (LKW und auch alle unsere Autos: unabhängige Prüfstellen). Weil außerdem automatische Prüfstellen (elektronisches Monitoring) an der Strecke nicht genutzt werden, fahren defekte Waggons bis zu sechs Jahre lang durch ganz Europa, bevor sie entdeckt werden. Oder sie ein Unglück verursachen.

Das Unglück in Unkel verdeutlicht, dass das System Güterbahn auch sicherheitstechnisch wie aus der Zeit gefallen ist. Auch an der Mosel kann -gefördert durch den desaströsen Zustand vieler Züge sowie ein jahrzehntelange Politik des Wegschauens- jederzeit ein katastrophales Unglück geschehen.

Wir brauchen die Bahn- aber sie muss modern und sicher werden!